Felix zu Löwenstein: Ein hilfreiches Gespräch über Erdbeben

Leogane, 10. Februar 19:13 Uhr (local time)

11.02.2010

Eine Familie im Malteser Camp
Foto: Tobias Kannn

Heute waren wir ein weiteres Mal in Darbonne. Dieser Vorort von Léogane ist medizinisch schlechter versorgt als unser derzeitiger Standort und befindet sich auch näher an den Bergen, in denen Versorgung zum Teil noch überhaupt nicht angekommen ist. Dort gibt es das Gelände der Episcopalian Church, auf dem mehrere Schul- und Kirchengebäude völlig zerstört sind, ein ehemaliges Gästehaus jedoch noch steht. Dort könnten wir den schon länger geplanten zweiten Standort aufmachen. Zunächst auch dort mit einem Zelt, weil die Menschen hier einfach zu viel Angst haben, in Gebäude zu gehen. Dann, nach Herrichtung des Gebäudes, unter Dach. Der Pfarrer der Gemeinde ist sehr freundlich und kooperativ.

Gestern Abend hatte ich ein spannendes Gespräch mit einem jungen Mann, der von mir wissen wollte, wie ein Erdbeben zustande kommt. Ich habe es ihm so gut mein Kreol es erlaubt und so gut mir verständliche Bilder eingefallen sind erklärt. Er war unendlich danbar dafür. Heute morgen kam er noch einmal zurück, um mir zu versichern, wie sehr ihm das geholfen habe. Denn wenn man überhaupt nicht weiß, was da unter den Füßen passiert und nur die schrecklichen Auswirkungen sieht, dann erfüllt das mit großer Angst - um so mehr, als die allermeisten Menschen hier von Vorstellungen bedrückt werden, die aus dem Kontinent ihrer Vorfahren kommen und nahelegen, dass irgend ein wild gewordener Voodoo-Geist ihnen angetan hat, was sie erleben.

Auch in unserer Ambulanz erleben wir ständig Menschen, deren Gesundheitsprobleme deutlich auf das Erdbeben zurückzuführen sind, aber keine physische Ursache haben. Dazu kommt noch die bedrückende Situation, in der sie jetzt leben müssen. So wie der Junge, dessen gesamte Familie unter den Trümmern gestorben ist und der mit einem gebrochenen Bein überlebt hat. Hier können wir nur mit ruhigem Zureden und Verabreichung symbolischer Medikamente helfen.

Kommentare

Ludwiga Reinold, Malteserin aus Nettetal, 14-02-10 11:01:
Die Berichte sind nicht nur interessant; sondern auch bewegend. Es ist so wertvoll, dass Malteser dort vor Ort Hilfe leisten! Ich erbitte für alle Helfer Gottes schützende Hand, seinen Segen und seinen Beistand.
Ludwiga Reinold
Michael Löwenstein, 12-02-10 19:33:
Für den Fall, dass es hilft (für das Vokabular) hier Auszug aus der französischen Wikipedia:

Un séisme, ou tremblement de terre, résulte de la libération brusque d'énergie accumulée par les contraintes exercées sur les roches. Le résultat de la rupture des roches en surface s'appelle une faille. Le lieu de la rupture des roches en profondeurs se nomme le foyer. Il se produit de très nombreux séismes tous les jours, mais la plupart ne sont pas ressentis par les humains. Environ cent mille séismes sont enregistrés par an sur la planète grâce à des sismographes (appareils permettant de détecter les ondes sismiques à plus de milliers de kilomètres du foyer sismique). Les plus puissants d'entre eux comptent parmi les catastrophes naturelles les plus destructrices.
Les séismes tectoniques sont de loin les plus fréquents et dévastateurs. Une grande partie des séismes tectoniques se produisent aux limites des plaques, où il existe un glissement entre deux milieux rocheux. Ce glissement, localisé sur une ou plusieurs failles, est bloqué durant les périodes inter-sismiques (entre les séismes), et l'énergie s'accumule par la déformation élastique des roches. Cette énergie et le glissement sont brusquement relâchés lors des séismes. Le relâchement de l'énergie accumulée ne se fait généralement pas en une seule secousse, et il peut se produire plusieurs réajustements avant de retrouver une configuration stable. Ainsi, on constate des répliques suite à la secousse principale d'un séisme, d'amplitude décroissante, et sur une durée allant de quelques minutes à plus d'un an.
Theresl Wietersheim, 11-02-10 20:20:
Lieber Felix liebes Schwesterlein - Großartig von euch zu hören. Ich geb der Mami die Telefonummer und hoffe, dass sie euch erreicht. Hier schneits wie wild. Wir denken an euch!! Theresl
Assunta Löwenstein, 11-02-10 14:54:
Liebe Sissi, lieber Felix,
Wir denken viel an euch und lesen mit großem Interesse eure Berichte.Ein Segen das ihr dort seid und so viel Gutes tun könnt. Gottes Segen für euch alle! Sunti
Christine Löwenstein, 11-02-10 11:24:
Vielleicht sollte man laufend kleine Vorträge organisieren, in denen die Information weitergegeben wird: "Was ist ein Erdbeben" (wenn die Zeit bleibt!)Wäre sicher eine nicht zu unterschätzende moralische Hilfe!

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