Felix zu Löwenstein: Was passiert, wenn der Regen kommt?

Leogane, 14. Februar 17:43 Uhr (local time)

15.02.2010

Notunterkünfte am Straßenrand in Port-au-Prince
Foto: Beate Maaß

Letzte Nacht hat es hier im Camp geregnet. Für uns ist das nicht schlimm – für die Menschen unter den Planen ist es furchtbar. Noch ist das Wetter so, dass es Tags wieder trocknet. Wenn das aber mehr wird?

Wir – Sissi und Felix, die „Camp-Eltern“ – haben das nicht miterlebt, weil wir in der Hauptstadt waren. Wir haben dort den Bischof von Troyes (Frankreich) getroffen. Er ist in der französischen Bischofskonferenz für Lateinamerika zuständig und obendrein der Kaplan für Malteser International. Am Dienstag wird er bei uns im Camp mit unseren Kranken und uns Hl. Messe feiern, die Ordensschwestern aus dem nahegelegenen Krankenhaus sind dazu schon eingeladen, und vielleicht kommen auch sonst noch ein paar Leute.

Heute Morgen hat das restliche Team den neuen Standort Darbonne besichtigt, wo wir ab morgen auf dem Gelände der Episcopalian Church eine zweite Ambulanz errichten werden. Sie sind dort in den Gottesdienst hineingekommen und haben mit Freude mitgefeiert.

Wir haben in Port au Prince an der Sonntagsmesse der Pfarrei St. Antoine in der Innenstadt teilgenommen. Da die Kirche zerstört ist, fand sie in der Auffahrt zum benachbarten Franziskanerinnen-Kloster statt. Mich hat man gebeten, ein paar Worte zu sprechen und ich habe den Menschen gesagt, wie sehr in Deutschland und weltweit mit ihnen gefühlt wird und dass dort überall für sie und besonders für die Toten – die sie ja zum Großteil gar nicht beerdigen konnten – gebetet wird. Und dass diese Gebete helfen werden, ihre Angehörigen dem Himmel zuzutragen. Es war sichtbar, wie sehr sie das berührt hat.

Wir haben dann die zerstörte Kirche und die Häuser der Umgebung besichtigt, die aussehen, wie nach einem Total-Bombardement. Dann sind wir mit dem Pfarrer, Père Michel, durch eines der Camps gelaufen, in dem sich die „ausgebombten“ Menschen dicht an dicht, leicht einmal 15 Menschen auf 10m², in Wellblechverschlägen mit Planen darüber, eingerichtet haben. Wir waren zutiefst berührt. Von dem Elend und der stickigen Enge. Aber noch viel mehr von der fröhlichen Tapferkeit, mit der die Menschen dies ertragen, wie sie ihren Alltag dort einrichten und leben und wie sie ihre kleines „Stadtviertel“ organisiert haben.

Allerdings lässt auch hier der Gedanke schaudern, was passiert, wenn der Regen kommt. Zelte gibt es noch kaum im Land. Man kann das kaum verstehen, muss aber akzeptieren, dass die Hilfsorganisationen sich nicht einfach an den Straßenrand stellen und verteilen können. Bei 1,5 Millionen Obdachlosen ist das aussichtslos. Es braucht deshalb eine Erfassung der Familien und eine geordnete Zuteilung. Für die Menschen, denen es an allem fehlt, ist das nur schwer verständlich und so wird – sagt man uns – die Stimmung langsam aggressiver. Hier in Leogane sei für morgen eine Demonstration geplant.

Wir haben zwar von gewalttätigen Plünderungen in der Hauptstadt gehört und vom Zorn derer, die bei einer Verteilung von Essen oder Kleidern nichts abbekommen haben. Uns selbst ist aber nur Freundlichkeit und Dankbarkeit für unser Interesse von denen entgegengebracht worden, die wir besucht haben, und auch sonst haben wir nicht ein einziges unfreundliches Wort gehört. Es gibt sicherlich punktuell Probleme, ungeduldige Reaktionen und auch die Folgen davon, dass 4.000 Schwerstkriminelle aus ihrem zerborstenen Gefängnis entflohen sind. Sonst aber sind die Geduld, die Disziplin, das fromme Gottvertrauen und die Freundlichkeit der Menschen beispielhaft.

Kommentare

Reti Croy, 16-02-10 11:23:
auch wir senden all unsere guten wünsche für Euer Tun an Dich!
Alles liebe Eure Croy´s aus Holstein
Tamara Clary, 15-02-10 21:06:
Lieber Felix,
von uns allen viele gute Wünsche heute an Dich.
Wir denken an Euch und sind im Gebet verbunden, alles Liebe Eure Clary's

Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld
*
*

*
Spendenkonto
120 120 120
Bank für
Sozialwirtschaft
BLZ: 370 205 00
Charity-SMS


Video: Charity-SMS
geht ganz einfach!