Felix zu Löwenstein: Es ist feucht und heiß - kommt die Regenzeit früher?

Leogane, 9. Februar 20:58 (local time)

10.02.2010

Heute war es entsetzlich heiß – die Luft stand, stickig und feucht und man konnte kaum so viel Wasser trinken, wie ausgeschwitzt wurde.

Das ist, so sagen die Hiesigen, ein ungutes Zeichen dafür, dass die Regenzeit früher als normal einsetzen könnte. Das aber wäre eine Katastrophe. Weit über eine Million Menschen sitzen in erbärmlich aus Platten, Wellblech, Planen und Matten zusammen geschusterten Hütten, eng auf eng. Auf den Marktplätzen, im Stadion und auf einzelnen Grundstücken. Wenn sich dort der Untergrund in Schlamm verwandelt und die Planen sich im Regensturm losreißen, dann „haben wir das Schlimmste noch nicht gesehen“, wie sich gestern ein UNO Vertreter ausdrückte, der mit vier Kollegen seine Zelte in unmittelbarer Nachbarschaft aufgeschlagen hat.

Wenn das passiert, dann können aber auch unsere Patienten nicht dort wohnen, wo sie jetzt sind: in den sehr leichten Zelten, die uns unsere argentinischen Vorgänger hinterlassen haben. Aber auch in unsere schweren 30 qm – Malteserzelte, die wir jetzt bekommen haben, kann das Wasser hineinlaufen, wenn in einem schweren Regen 100 mm in ein paar Stunden fallen. Wir sind deshalb sehr dankbar, dass uns der Besitzer des Geländes einen Basketballplatz zur Verfügung gestellt hat, den das UN Battalion aus Sri Lanka sich gebaut hat. Seit sie von unseren Plänen wissen, sind sie etwas frostig geworden. Aber unser wunderbarer haitianischen Rum brennender Gastgeber ist da hart: was jetzt zählt, sind die Bedürfnisse seiner kranken Landsleute, die kein Krankenhaus haben. Nicht die Leidenschaft der Singalesen für schnelle Ballspiele. Auf dem befestigten Platz sind wir jedenfalls besser aufgehoben.

Seit gestern ist der Gynäkologe Wolfgang hier, der schon voll eingestiegen ist. Da uns das mexikanische Arzt-Paar heute verlassen hat, wird die Arbeit morgen mehr werden. Außerdem wollen wir jetzt den zweiten Standort, Darbonne angehen. Dort ist die Versorgung noch schlechter als hier und auch die Leute aus den Bergen, wo es mit medizinischen Diensten noch ganz schlecht aussieht, kommen dort leichter hin, als nach Leogane.

Mittlerweile haben wir schon ein paar Mal die Gelegenheit gehabt, Leogane und Darbonne zu sehen – es ist wirklich unvorstellbar, wie zerstört diese Städte sind. Obwohl zwischendrin einige unerklärlicherweise unzerstörte Häuser stehen, so sind doch mehr als 90% der Gebäude betroffen. Den zwischen den Trümmern seiner schönen Pfarrkirche Ste. Rose de Lima und seines Pfarrhauses kampierenden Pfarrer habe ich bereits kennen gelernt.

Wie die Menschen es trotzdem schaffen, einen Anschein an Normalität zu erwecken und fröhlich lachend die Straße herunter zu flanieren, ist wirklich kaum zu glauben. Dieses Volk hält wirklich unglaubliches aus!

Kommentare

Isabelle Lütz, 10-02-10 16:37:
Lieber Felix, liebe Sissi!
Wir schließen euch feste in unser Gebet ein!
Mein 18jähriger, sehr patenter Neffe Thaddäus ist in der Dominikanischen bis Ende März. Er könnte helfen kommen. Wenn praktisch, meldet euch per Mail!
Belli
Maria und Tita Clary, 10-02-10 12:34:
Lieber Felix, Liebe Sissi,
lesen Eure Berichte mit Spannung. Phantastisch, was Ihr und alle Helfer leistet. Weiterhin viel Kraft und Gottes Segen für Euch alle. Maria und Tita

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