Tobias Kann: Seelische Traumata - Normalität noch weit entfernt

EADS-Rettungsstation voll in Betrieb

11.02.2010

Viele Schwangere brauchen die Hilfe der Malteser
Foto: Tobias Kann

Ein kleines Mädchen im Camp
Foto: Tobias Kann

Langsam adaptieren wir uns an das Leben hier. Jeden Tag kommen wir ein Stückchen weiter und finden sogar in all dem Chaos ein wenig Normalität. Aber unsere Patienten sind von Normalität noch weit entfernt, in vielen Kleinigkeiten merkt man ihnen das seelische Trauma an. Wie wir nun langsam erfahren, haben die meisten Haitianer keine Ahnung von den geologischen Vorgängen, die zu einem Erdbeben führen. Um so schwerer ist es für sie, die Zusammenhänge und Folgen dieses Bebens zu begreifen. Ausgerechnet das Versammlungshaus der Voodoo-Sekte ist eines der ganz wenigen Gebäude hier in Leogane, die fast ohne Schaden das Beben hier überstanden haben.

Täglich behandeln unsere Ärzte und Schwestern Menschen, deren Hauptproblem mehr seelischer als körperlicher Natur ist und denen man die nervliche Belastung mehr als deutlich anmerkt. Erst gestern Abend haben unsere haitianischen Helfer viel Geduld gebraucht, um eine körperlich vollkommen unversehrte Frau in ihrem Nervenzusammenbruch zu beruhigen. Dazu kommen jeden Tag Patienten, deren Verletzungen auch nach gut drei Wochen nur unzureichend oder gar nicht versorgt wurden. Besonders zu leiden haben die Säuglinge, deren Mütter verletzt oder tot sind. Sie werden oft vollkommen unterernährt und ausgetrocknet zu uns gebracht.
 
Die Stadt Leogane ist inzwischen recht gut versorgt, und wir haben angefangen, uns nach weiteren möglichen Standorten für ein zweites Camp umzusehen. Schon im benachbarten Ort sind derzeit geschätzte weit über tausend Menschen ohne ausreichende medizinische Versorgung. Wir versuchen, dort zumindest tagsüber eine mobile Krankenstation aufzubauen. Insgesamt ist die Situation noch recht unübersichtlich, da täglich viele Helfer aller Organisationen abreisen und ankommen, ihre Standorte wechseln und damit die Koordinatoren ständig vor neue Ausgangssituationen gestellt werden.

Wir sind sehr froh, dass wir zumindest hier in Leogane eine permanente Anlaufstelle einrichten konnten, die wir weiter ausbauen werden, denn bis die Krankenhäuser wieder flächendeckend aufgebaut sind, werden sicher nicht nur Monate vergehen. Der  von EADS gestiftete Container bietet uns eine hervorragende Möglichkeit, Patienten auf Dauer eine gute Gesundheitsversorgung zu stellen. Und unsere Ärzte freuen sich über die fast heimatlichen Arbeitsbedingungen.

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