Rungaldier: Bestandsaufnahme - was geht, was geht nicht?

Bericht im Westfälischen Anzeiger

19.01.2010
Prof. Dr. Klaus Runggaldier

Holger Drechsel vom Westfälischer Anzeiger schreibt nach einem Telefon-Interview mit Prof. Dr. Klaus Rungaldier: Hörbar erschöpft, als wir ihn an seinem Satellitentelefon am frühen Morgen in Port-au-Prince erreichen. Das erste, was er aber sagt ist: "Unsere Motivation ist weiter hoch." Die Lage dort hat sich bislang überhaupt nicht entschärft, ist weiter überaus dramatisch. Das größte Problem: Es gibt zwar mittlerweile sehr viele Helfer aus aller Welt in Haiti, nur gibt es eben immer noch keinen Plan - das Chaos ist schlicht zu groß.

Heute werden zwei Malteser Ärzte aufbrechen, um die Lage in anderen Krankenhäusern zu erkunden. "Bestandsaufnahme: Was geht, was geht nicht." Es ist überaus nötig, endlich einen Gesamtüberblick über die chaotische Lage zu bekommen - eine Art Landkarte der größten Krisenherde, um Hilfe besser zu koordinieren. Weiterer Plan: Erkundungstrupp in einen Ort gut 80 Kilometer außerhalb der Hauptstadt: "Dort soll praktisch alles kaputt sein, Hilfe gibt es da aber bisher kaum."

Die Lage im Downtown-Krankenhaus "Franz von Sales", wo Rungaldier seit Tagen arbeitet, ist absolut dramatisch. Es ist alles zerstört, kein Wasser, kein Strom, Patienten unter freiem Himmel. "Das Leid ringsherum ist unermesslich, überall Leichen, über der Stadt liegt ein Geruch, wie man ihn sich schlimmer nicht vorstellen kann." Die Malteser-Ärzte müssen dort der Not schwerste Entscheidungen treffen: wen man noch operieren kann und wen man sterben lassen muss. "Viele Patienten haben keine Perspektive, man kann nichts für sie tun. Keine Schmerzmittel, keine Hoffnung." Operation heißt in erster Linie: Amputationen von Gliedmaßen, um das Leben retten zu können: "Hier wird amputiert im Akkord". Und - bei aller Nothilfe: "Man muss jetzt schon an die Zukunft, an das Leben nach der Katastrophe denken." Patienten, die überleben, werden Prothesen brauchen.

Ein Einsatz, bei dem der Malteser an seine Grenzen stößt. Physisch erschöpft "kaum Schlaf, Schießereien vor dem Haus, Unterkunft ohne Strom", vor allem aber psychisch höchst belastet. Wie hält er durch angesichts des nicht enden wollenden Grauens? "Man muss versuchen, sich auf seine Arbeit zu konzentrieren. Nur so geht es." Möglicherweise wird er Donnerstag wieder Richtung Heimat ausgeflogen.

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