Felix zu Löwenstein/Haiti: Es ist Sonntag / Erdbeben-Vorsorge

Leogane, 21. Februar 19:04 (local time)

26.02.2010

Spielen im Camp
Foto: Tobias Kann

Es ist Sonntag. Schon zum zweiten Mal haben wir am Sonntag die Krankenstation geschlossen gehalten. Zwar mußten unsere Doktoren heute morgen noch bei einer alten Frau einen Abszess in der Handinnenfläche unter Vollnarkose öffnen, und danach mussten die Bewerbungen von Krankenschwestern und Ärzten für die ab März einsetzende Phase gesichtet werden - aber dann war Freizeit angesagt. Wir sind unter der Führung unseres Rum-brennenden Hausherrn ans nahe gelegene Meer aufgebrochen, wo wir im lauwarmen Wasser geplanscht und gegrillten Fisch gegessen haben. Eine herrliche Erholung!

Spannende Wahrnehmung am Rand: die Holzkonstruktion der traditionellen alten Bauernhäuser hat dem Beben standgehalten. Beschädigt oder eingestürzt sind die neuen Beton-Bauten.

Wir hatten zu unserer großen Freude eine Besucherin im Camp: Mousson, Freundin aus alten Haiti Zeichen, haitianische Ärztin und Leiterin eines beeindruckend guten landwirtschaftlichen Entwicklungsprojektes (ORE, www.oreworld.org) Wir haben über alte und neue Zeiten gesprochen und sie auch gefragt, ob sie vor dem 12. Januar je von Erdbebengefahr hätte sprechen hören. Das hat sie. Ein Partner des Projektes, ein in Port-au-Prince lebender Amerikaner, hat 2004 an einer Konferenz in Santo Domingo teilgenommen. Dort wurden die Gefährdung auf den Faltenlinien, die zunehmende Spannung der Platten, die zu ziehenden Konsequenzen besprochen. In der Dominikanischen Republik habe man sofort mit der Änderung der Baugesetzte reagiert, bestehende Gebäude in Gefährdungsgebieten untersucht, sogar Gebäude evakuiert und neu bauen lassen. Der haitianischen Regierung sei das Problem ebenfalls vorgetragen worden. Mehrfach. Reaktionen habe es keine gegeben. Die Schlussfolgerung ist klar: wenn es nach dieser Katastrophe, bei den jetzt anrollenden Hilfsmaßnahmen, nicht gelingt, funktionierende staatliche Strukturen und Rechtstaatlichkeit einzurichten und wenn es nicht gelingt, jetzt der Korruption Einhalt gebieten - dann gibt es wirklich keine Hoffnung. Dass wir schon die ganze Zeit viele Menschen sagen hören, das Erdbeben sei die einmalige, historische Chance für einen Neubeginn, zeigt, dass dies nicht nur die Sichtweise einzelner gut informierter Experten ist.

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