Felix zu Löwenstein/Haiti: Nachbeben, Übergabe und Aufbruch nach Hause

Leogane, 23. Februar 13:04 (local time)

26.02.2010

Das Malteser Team in Leogane

Heute Nacht hat es gerumst. Gleich zweimal hat uns ein Erdstoß erschüttert, im Abstand von 10 Minuten. In Port-au-Prince, wo am Malteser Hauptquartier ein Warngerät installiert ist, hat die Sirene angeschlagen. Das bedeutet eine Stärke von beinahe 5. Dort sind alle aus den Betten gesprungen und hinausgerast, hier in Leogane, wo wir alle in Zelten liegen, dreht man sich um und schläft weiter. Selbst unsere Kranken sind wieder eingeschlafen, obwohl sie immer noch – und wahrscheinlich noch lange – in Panik geraten, wenn sich die unerklärlichen unterirdischen Kräfte bemerkbar machen. Auch in den letzten Tagen haben sie sich immer wieder gemeldet. Mal durch ein leichtes Zittern, mal durch heftiges Wackeln. So schnell scheinen sich die aneinander geklemmten Erdplatten entspannen zu wollen. Angeblich seien heute Nacht auch wieder Menschen ums Leben gekommen, die sich unvorsichtig in ihre beschädigten Häuser gewagt haben.

Hier in Leogane ist Aufbruchstimmung. Als erstes hat uns – wie bereits berichtet, Tobias Kann verlassen. Wolfgang Heide, unser Gynäkologe fehlt uns seit vorgestern. Heute morgen sind die wunderbaren haitianisch-amerikanischen Nurses Virginia und Roselle, sie sind Schwestern, abgefahren. Heute ist auch der letzte Tag für die Internistin Gudrun Müller, die Krankenschwester (und Bewahrerin aller Schlüssel) Eva-Maria Schmitt und den Chirurgen Bernd Dietz. Felix und Sissi Löwenstein übergeben heute Abend an ihre Nachfolger, das amerikanische Ehepaar Gamble. Geoffrey Gamble ist Präsident einer der drei amerikanischen Assoziationen des Malteserordens. Sie kommen zusammen mit 4 Krankenschwestern. Ihnen auf dem Fuß folgt ein Arzt und eine weitere Krankenschwester. Antoinette Mirbach und Klaus Ringleb sind dann die Überbleibsel des jetzigen Teams, die dem Rest baldmöglichst nachfolgen werden. Damit ist der Einsatz der deutschen Freiwilligen beendet.

Aus Deutschland weiterhin vor Ort ist die Koordinatorin Bea Maaß und ihre Assistentin Wanda Welker. Auch der Public Health Coordinator, der den Projektaufbau von der medizinischen Seite vorantreiben soll, Branko Dubajic  aus Serbien, und der soeben eingetroffene Logistiker David Perry aus England sind hauptamtlich vor Ort und begleiten die neue Phase, die jetzt beginnt: den Übergang der Arbeit an den beiden Standorten Darbonne und Leogane in haitianische Hände. Die Bewerbungen türmen sich gerade, Branko führt Einstellungsgespräche. Dabei stößt man auf Probleme, die wir nicht kennen. Denn wie weist jemand seine Qualifikation nach, dessen Unterlagen unter Trümmern begraben liegen? Aber auch: wie kann man die praktische Eignung eines Menschen einschätzen, mit dem man nur durch Übersetzer kommuniziert? Da ist es gut, dass das bisherige Team etliche der Leute schon kennen und einschätzen gelernt hat und entsprechende Empfehlungen geben kann. Gut ist auch, dass die ehrenamtlichen Teams, die in den nächsten Wochen noch folgen werden, die einheimischen Kräfte so begleiten können, dass sich dann, wenn nur noch ein Projekt- oder Standortkoordinator hier bleibt, die Spreu vom Weizen getrennt hat.

Wir Abreisenden haben gemischte Gefühle, denn hier ist noch viel zu tun. Aber es gibt auch die Freude auf ein kühles Klima, ein sauberes Bett, ein gepflegtes Bad und vor allem auf unsere Lieben zu Hause. Und so ist’s gut, dass es nach vier Wochen jetzt heißt: Auf nach Hause! 

Kommentare

Keine Kommentare

Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld
*
*

*
Spendenkonto
120 120 120
Bank für
Sozialwirtschaft
BLZ: 370 205 00
Charity-SMS


Video: Charity-SMS
geht ganz einfach!