Georg Nothelle: Die Hilfe muss jetzt kommen

Geschlossenes Krankenhaus, Verwesung, 30 Grad

16.01.2010
Dr. Georg Nothelle

Teamleiter Dr. Georg Nothelle und Klaus Runggaldier haben sich am Samstagabend (16. Januar, MEZ) telefonisch melden können. Hier eine Zusammenfassung des längeren Telefonats: Es herrscht ein ziemliches Chaos. An der Grenze gibt es Behinderungen und Wartezeiten. Die drei aus Haiti stammenden Teammitglieder, die von den US-amerikanischen Maltesern entsandt sind, war hier sehr hilfreich und haben den Malteser Trupp schneller über die Grenze gebracht. Die Malteser haben definitiv einen Vorteil durch die haitianischen Teammitglieder, die überall besser durchkommen.

Die Nacht hat das gesamte Team sicher bei eben diesen Kollegen verbracht, allerdings ohne Strom. Die Mobilfunknetze sind meist überlastet und funktionieren nur sporadisch. Für SMS reicht es gelegentlich. Erreichbar ist das Team nur über Iridium/Sat.Com. Die Tankstellen haben, wie schon berichtet, keine Treibstoffreserven mehr. Die Polizei wollte erst helfen, hatte dann selbst nicht mehr genug.

Das Malteser Team sucht immer noch - mittlerweile auf dem Flughafen Compound - nach einem Koordinator oder Ansprechpartner der Hilfsmaßnahmen vor Ort. Georg Nothelle aufgrund seiner langjährigen Afrika-Erfahrung wörtlich: "Ich bin afrikanisch geprägt, da gebe ich die Hoffnung so leicht nicht auf".

Das Team ist durch die Oberstadt gekommen, und es ist total erschreckend, wie stark die Zerstörung ist. Der Verwesungsgeruch ist bestialisch und lässt erahnen, wie viele Tote noch unter den Trümmern liegen - bei einer Tagestemperatur von 30 Grad Celsius.

Die haitianischstämmigen Teammitglieder warteten während des Telefonates schon in OP-Kleidung (sic!) auf die Weiterfahrt, weil sie hoffen, noch heute in einem Krankenhaus tätig werden zu können. Das Krankenhaus ist derzeit noch geschlossen, sie hoffen aber, dass es geöffnet wird, da - wie beschrieben - die Kranken schon zum Sterben davorliegen und medizinische Hilfe dringend notwendig ist.

Georg Nothelle betont, dass Hilfe jetzt kommen muss. Die große Welle an Verletzten muss in den nächsten acht Tagen versorgt werden, sonst ist es zu spät. Für die Bevölkerung gibt es Sammelpunkte, notdürftig vor der Sonne geschützt. Nothelle geht davon aus, dass auch für das Team jetzt Wasser- und Hygienemaßnahmen anstehen.

 

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